Obwohl ich schon seit ca. 2 Jahren bewusst Street Photography betreibe, würde ich mich keinesfalls als Profi bezeichnen, sondern eher als ambitionierten Anfänger. Wenn Du also nach Tipps von einem Profi suchst, ist das hier vielleicht nicht die erste Adresse.
1. Die Kleidung
Wer draußen auf der Straße fotografiert, ist zwangsläufig auch Wind und Wetter ausgesetzt. Gerade in den kälteren Jahreszeiten kann das auch schon mal nervenaufreibend sein. Wenn ich friere oder mir zu kalt ist, vergeht mir schnell auch die Lust am fotografieren. Ich nehme mir dann nicht mehr die Zeit, die ich vielleicht für ein gutes Foto brauche. Deswegen ist es für mich enorm wichtig, angemessene Kleidung für jedes Wetter zu haben. Eine warme Hose, ein Fleeceshirt und eine dicke Jacke gehören daher zur Grundausstattung in den kalten Monaten. Dazu außerdem ein ordentlicher Regenschirm, der auch ein bisschen Wind verträgt. Damit schützt du nicht nur dich selbst, sondern auch deine Kamera vor Regen und Nässe.
2. Die Kamera
Es gibt keine richtige und auch keine falsche Kamera für die Straße. „Die beste Kamera ist die, die du hast“. Das kann eine Spiegelreflex sein, eine Spiegellose Kamera oder einfach dein Smartphone. Viel zu oft ertappe ich mich selbst dabei, wie ich innerlich zu mir sage, dieses oder jenes Foto kann ich nicht machen, weil ich keine Kamera dabei habe. Aber das Smartphone habe ich eigentlich IMMER dabei. Ist das Motiv zu weit weg, muss ich näher ran. Wenn das nicht geht, muss ich vielleicht auf das Foto verzichten.
3. Die Ausrüstung
Damit kommen wir direkt zum dritten Punkt. Du musst dich mit dem Gedanken abfinden, dass du nicht jedes Foto machen kannst. Natürlich kannst du dir den Rucksack vollpacken mit einer Kamera und mehreren Wechselobjektiven. Ich habe mit der Zeit aber gelernt, dass es nicht unbedingt die beste Lösung ist, so viel Zeug mit rumzuschleppen. Du hast zwar den Vorteil, dass du dir die Motive näher heranholen kannst, aber in vielen Situationen hast du genau die falsche Linse auf der Kamera oder überlegst zu lange, ob es mit dem oder dem Objektiv nicht besser geworden wäre. Ich habe mich inzwischen weitestgehend von Zoomobjektiven verabschiedet und verwende nur noch 2- 3 Festbrennweiten. Allerdings lege ich mich vor einem Walk auch auf eine Brennweite fest und nehme dann nur diese mit.

Irgendwie ist es ein befreiendes Gefühl, sich nicht immer Gedanken über das richtige Objektiv zu machen, sondern einfach nur mit dem zu arbeiten, was du gerade dabei hast. Ich gebe zu, dass es ein bisschen Übung abverlangt, gerade wenn man eher weitwinkelig arbeitet. Letztendlich zahlt sich der „Aufwand“ aber aus.
4. Die Perspektive
Mit der Wahl deiner Kamera bzw. Brennweite musst du evtl. auch Kompromisse bei der Wahl deiner Perspektive eingehen. Mit einem Weitwinkel musst du viel näher ran an dein Objekt als mit einer 50mm Brennweite. Aber genau dieser Umstand, lässt dich kreativ werden. Du bist quasi gezwungen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Gehe näher ran, fotografiere aus der Froschperspektive oder aus der Vogelperspektive von einem Gebäude. Es gibt immer wieder Kritik, dass es dieses oder jenes Motiv schon X-Fach gegeben hat. Sicherlich ist das auch nicht falsch. Aber es ist natürlich auch nicht leicht, das Rad neu zu erfinden. Das ist auch gar nicht nötig. Versuche einfach durch eine neue Perspektive deine eigene Interpretation von einem Motiv zu schaffen.
5. Die Angst
Die Angst ist in der Street Photography mein ständiger Begleiter. Die Angst, dass jemand, der ungefragt fotografiert wird, eventuell wütend oder aggressiv reagiert. Man muss lernen mit diesem Gefühl umzugehen, denn so ganz verschwindet es einfach nicht. Das soll es aber auch gar nicht, denn die Angst ist ja auch ein Schutzmechanismus des Menschen, der dich vor Unheil bewahren soll. Du musst in jeder Situation für dich entscheiden, wie weit du gehen möchtest oder kannst um ein Foto zu machen. Die Angst soll dich davor beschützen, dich vielleicht in Schwierigkeiten zu begeben. Du musst die Angst nicht besiegen, sondern lernen, mit der Angst zu umzugehen.
6. Der letzte Tipp
Zum Schluss das allerwichtigste: "GEHE RAUS UND FOTOGRAFIERE!" Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Also schnapp dir deine Kamera oder dein Smartphone und gehe auf die Straße. Gehe dort hin, wo das Leben spielt. Sei es im Park, in der Stadt, auf einem Straßenfest oder wo auch immer. Nutze jede Chance und fange das Leben auf der Straße ein und lass dich nicht entmutigen, wenn du mal nur mit scheiss Fotos nach Hause kommst. Wichtig ist, dass du mit Leidenschaft an die Sache herangehst und stetig an deinen Skills arbeitest. Habe einfach Spaß an dem, was du tust. :)
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